Schulprojekt ‚Theaterkritik‘ nun auch im Förderprogramm des hessischen KULTURKOFFERS

Wir freuen uns sehr!
Denn nun ist es raus: Wir können dieses Jahr mit Geldern aus dem sogenannten „Kulturkoffer“, ein Förderprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, unsere Kreise rund um das Schulprojekt Theaterkritik erheblich erweitern.

Einerseits räumlich – denn man kann sagen unsere Reichweite erstreckt sich nun von der Bergstraße über Darmstadt bis zum Odenwald, denn die Jugendlichen kommen jetzt nicht nur aus Bensheim und Umgebung – Andererseits kommt auch eine neue Zielgruppe hinzu! Denn es werden Jugendliche/junge Erwachsene an dem Projekt teilnehmen, die möglicherweise noch nie ein Theater besucht und mit dieser Kunstform keine oder nur wenig Erfahrung haben. Ermöglicht wird das durch eine Kooperation mit den sogenannten Darmstädter Joblingen, eine Initiative, die sozial benachteiligte Jugendliche, darunter auch junge Geflüchtete, bei der Ausbildungs- oder auch Arbeitssuche unterstützt und sie auch an Kulturereignisse heranführt.

Damit ist das Projekt mit insgesamt 67 Teilnehmer*innen in diesem Jahr so nachgefragt wie noch nie!

Das Modellprojekt Kulturkoffer zielt darauf ab, junge Menschen in Hessen für Kultur zu begeistern. Kinder und Jugendliche sollen nachhaltige positive Impulse für ihre Persönlichkeitsentwicklung erhalten. Zu den Voraussetzungen gehört, dass die Projekte in Kooperation mit Partner*innen durchgeführt werden.

Alle Infos zum Kulturkoffer gibts auf https://kulturkoffer.hessen.de/ sowie auf ihrem Blog.

people-2557399_1920
Pixabay

 

Vorbericht IM HERZEN DER GEWALT

Hier kommt der erste Vorbericht im Rahmen des Schulprojektes: THEATERKRITIK

Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis am Thalia Theater

von Paul Berg

„Keine Fingerabdrücke hinterlassen, keine Fingerabdrücke hinterlassen“, erklingt es wie ein Mantra, während der Protagonist Édouard nach einer einschneidenden Gewalterfahrung die unschuldig wirkenden weißen Laken auf der Bühne von den Ereignissen „reinzuwaschen“ versucht. Doch schnell wird klar, dass der seelische Fingerabdruck bei Édouard bis an seine Substanz geht und ihn, sowie die Zuschauer, nicht ohne weiteres zurück lässt.

Im Zuge der 24. von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste veranstalteten „Woche junger Schauspieler*innen“, präsentiert das Hamburger Thalia Theater am 7. März das autobiographisch geprägt politische Drama „Im Herzen der Gewalt“, nach dem gleichnamigen Roman von Édouard Louis. Die von Franziska Autzen geleitete Inszenierung eröffnet die bereits kulturell fest etablierte „Woche junger Schauspieler*innen“ in Bensheim und bedient sich in ihren 90 Minuten Spielzeit vielerlei Themen über strukturell psychische Gewalt durch Sprache und Politik, psychische Gefangenschaft, Scham, Rassismus und Homophobie .

Wenn die Flucht zum Alptraum wird

Der homosexuelle Franzose Édouard lebt mit seiner Familie in der nord-französischen Provinz, wo er aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung als Außenseiter betrachtet wird und von den anderen Einheimischen beschimpft und als Gefahr gegen den Familienfrieden angesehen wird. Édouard jedoch schafft es, seine provinzielle Heimat zu verlassen und zieht nach Paris, in die Stadt, die aus der Sicht Édouards alles verkörpert, nach dem er sich auf dem Land sehnte: Freiheit. Diese Freiheit scheint er dort auch zu finden, bis ihm eine vorerst vielversprechende Begegnung zum psychischen Verhängnis wird.
Am Weihnachtsabend trifft Édouard auf den nächtlichen Pariser Straßen Reda, einen algerischen Zuwanderer, der sein Vertrauen gewinnt, sodass Édouard in zu sich nach Hause mitnimmt. Die anfänglich schöne Nacht avanciert jedoch zu einem Gewaltakt. Reda bedroht Édouard, beraubt ihn, versucht in zu erwürgen und vergewaltigt ihn. Der innerlich vollkommen zertrümmerte Franzose flüchtet sich erneut in die Provinz zu seiner Schwester, die die Geschichte ihres Bruders ihrem Mann erzählt. Daraufhin fühlt sich Édouard seiner Geschichte beraubt und er findet sich „Im Herzen der Gewalt“ wieder. Als dann noch die bohrenden Fragen der Justiz und der zu spürende Alltagsrassismus hinzukommen, verliert sich Édouard im Chaos seiner Gedanken, die sich um die stetig aufkeimende Erinnerung der Nacht mit Reda dreht. Die Gewalterfahrung und die Hierarchie der Klassen in der Gesellschaft kreisen wie ein Wirbelsturm aus Gedanken um Édouard und leiten über zur Frage, wie die französische Gesellschaft funktioniert oder gerade nicht funktioniert. Es herrschen Vorurteile und vorschnelle Entschlüsse sowie rückblickende Nostalgien, wodurch eindeutige Schuldzuweisungen und die Klarheit der Opferfrage ins Wanken geraten. Das Verschwimmen von Schein und Sein, Unterdrückten und Unterdrückern als auch die auffällige Omnipräsenz von Stereotypen lässt alle Beteiligten nicht unberührt.

„Unsere Welt ist tief von Gewalt geprägt“, erklärt der Autor Édouard Louis, „die einzige Möglichkeit, die Gewalt zu bekämpfen, ist, darüber zu sprechen.“

Die zwei Hauptdarsteller Toini Ruhnke (Clara) und Sebastian Jakob Doppelbaum (Édouard) wurden bereits in der Vergangenheit für ihre beispielhafte schauspielerische Arbeit hoch gelobt. Begleitet werden sie von dem Musiker Johannes Hofmann.

Foto: Krafft Angerer/ Thalia Theater

 

Schüler*innen schreiben Theaterkritiken

Die WOCHE JUNGER SCHAUSPIELERINNEN UND SCHAUSPIELER bietet Schülerinnen und Schülern auch 2019 ein vielseitiges Programm mitzuwirken

Wie der Titel des Festivals schon sagt, geht es um junge Künstler*innen und junge Menschen auf der Bühne. Es geht aber auch um ein junges Publikum, dass mit den behandelten Stücken und Stoffen erreicht werden soll.
Neben den für Jugendliche relevanten Themen bietet die WOCHE JUNGER SCHAUSPIELERINNEN UND SCHAUSPIELER ein spannendes Programm.
Zum vierten Mal veranstaltet die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste das Schulprojekt THEATERKRITIK.

Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden sollen. Gemeinsam mit ihren Deutschlehrer*innen des Kurfürstlichen Gymnasiums schreiben sie Texte und Theaterkritiken über die gesehenen Stücke.
Eine Jurygruppe wird am letzten Abend des Festivals, das aus ihrer Sicht beste Gastspiel auszeichnen.
Begleitet werden die jungen Kritiker*innen von ihren Lehrer*innen, Profis der Theaterpädagogik und des Journalismus.
In Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger werden die Vorberichte und Kritiken veröffentlicht, ebenso werden die Beiträge hier auf dem Blog, über Facebook und Instagram publiziert.

Der Instagramkanal der Akademie kann für Backstage-Storys, Fotos und persönliche Erfahrungsberichte genutzt werden und erreicht damit ein jüngeres Publikum.

Beitrag: Daniela Ginten, Marie Helene Anschütz

Eine Sternstunde- Hörspiel des Jahres 2018

Am vergangenen Samstag wurde im Literaturhaus Frankfurt das Hörspiel des Jahres 2018 ausgezeichnet.

Hier kommen ein paar Impressionen zu einem rundum gelungenen Abend.

Hier gibt es einen Ausschnitt vom Hörspiel des Jahres 2018:
AUF DER SUCHE NACH DEN VERLORENEN SEELENATOMEN von Susann Maria Hempel.

CyberViewX v5.16.60
Model Code=71
F/W Version=1.14

Benno Schirrmeister (taz-Redakteur) schreibt:
„Mein Job ist es, erst einmal daran zu erinnern, dass nicht alles gut war. Daran, dass manche Einreichungen – keine Angst, ich nenne keine Beispiele, das verdürbe bloß die Stimmung und ginge auf die Zeit – Daran also, dass manche Einreichungen, obwohl ja mehrere redaktionelle Filter vorgeschaltet sind, der Jury als richtig schlecht erschienen sind. Für uns waren das dann die Momente des Selbstzweifels, ob es statt oder neben einer lobenden nicht auch eine rügende Erwähnung geben müsste für – nein, ich nenne keine Beispiele – missglückte oder fehlende Recherche, für allzu selbstgefälliges Experimentieren oder für sprachhistorische Fehlleistungen? Daran schließt sich die Frage an, ob überhaupt die Mitarbeit an diesem schönen Preis sinnvoll ist? Könnte es nicht sein, dass die Rezeption der Gattung Hörspiel zu sehr durch ermutigende Preise und lobende Erwähnungen gekennzeichnet ist? Durch „Kunstbetrachtung“ statt durch echte Kritik? Wann, in welcher Radiosendung, haben Sie zum letzten Mal einen echten Hörspiel-Verriss gehört?  Wo den letzten gelesen? Mich erinnert das an den schonend-entmündigenden Umgang mit Todkranken, bloß nicht aufregen, sonst geht er mir noch ein! und dann sitze ich da mit den Schuldgefühlen, das will ich tunlichst vermeiden, also lieber nur Gutes über den Gerade noch Lebenden, und es ist klar: ein solcher Umgang mindert die Relevanz der Gattung. Er verhindert die kontroverse Diskussion, verhindert die Gegenwehr der Autor*innen, verhindert produktiven Streit, verhindert die Erzeugung von Skandalen (…) Das ist traurig, weil wir uns als Hörende einer atemberaubenden Fülle an Formen und einem Reichtum an Anstößigem ausgesetzt wissen: Es gibt eine große Vielfalt sehr persönlicher Ansätze für ein vom Geräusch und vom Sound  ausgehendes Erzählen. Im klingenden Erzählen entwickeln und bestimmen diese Hörstücke ihre eigenen ästhetischen Kriterien (… ) letztendlich ist es so schwer nicht, die Werke zu erkennen und zu benennen, in denen der Eigensinn des Hörspiels lebt: Sie sind es, die berühren.“

Den ganzen Beitrag kann man hier nachlesen.

Preisverleihung Hörspiel des Jahres 2018
v.l.n.r: Regine Beyer, Benno Schirrmeister, Nikolaus Löwe, Viktorie Knotková, Susann Maria Hempel, Mareike Maage, Christoph Buggert, Daniela Ginten

 

Fotos: Alexandra Lechner Fotografie

All das Schöne – Schauspiel Hannover

Schauspiel Hannover

All das Schöne

von Duncan Macmillan

Gastspiel am 29. März um 19:30 im Parktheater Bensheim

Wie reagiert man als Kind auf den Selbstmordversuch seiner Mutter? Man schreibt ihr eine Liste mit allem, was an der Welt schön ist. – »1. Eiscreme, 2. Wasserschlachten, 3. Länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen, 4. Die Farbe gelb, … 25. Einen Superhelden-Umhang tragen, 26. Ins Meer pinkeln, und keiner merkt es« – Man hofft, dass die Mutter sie liest (und nicht bloß die Rechtschreibfehler korrigiert), dass ihre Depression aufhört und alles wieder gut wird. Wird es nicht, aber die Liste wächst, wird zum ständigen Begleiter, während das Kind mit dem Studium anfängt, sich zum ersten Mal verliebt, heiratet und sich schließlich trennt. – »517. Mit jemanden so vertraut sein, dass man ihn nachgucken lässt, ob man Brokkoli-Reste zwischen den Zähnen hat. 521. das Wort Schupfnudel« – Eine seltsame Traurigkeit bleibt, es gibt Abstürze, Verletzungen und einen Vater, der nicht helfen kann. Die Liste – im Laufe der Jahre angewachsen und sich der Million nähernd – kann die Mutter nicht retten, aber ihren Verfasser. – »999.998. Unpassende Songs in gefühlvollen Momenten …«

AllDasSch+Âne-0394 klein
Foto: Isabel Machado Rios

Allein in Deutschland sterben jährlich  tausende Menschen – darunter sehr viele junge – in Folge dieser psychischen Erkrankung. Depression hat viele Facetten – lustig ist sie nie. Der Brite Duncan Macmillan hat es trotzdem gewagt und ein umwerfend komisches Stück über Depression geschrieben – hinreißend, herzergreifend und gänzlich unsentimental.

AllDasSch+Âne-1145 klein
Foto: Isabel Machado Rios

ZUR INSZENIERUNG

DUNCAN MACMILLAN (geb. 1980) Der britische Autor und Regisseur erhielt für seine Stücke zahlreiche Preise. Er ist Hausautor des Paines Plough Theatre in London und des Royal Exchange Theatre in Manchester. Neben dem Theater schreibt er für Radio, Film und Fernsehen. JONNY DONAHOE (geb. 1983) ist ein britischer Comedian, Autor und Performer. Gemeinsam mit Duncan Macmillan schrieb er All das Schöne.

Mit Jonas Steglich
Regie und Kostüme: Paul Schwesig
Bühne: Andreas Alexander Straßer
Musikalische Leitung: Christian Decker
Dramaturgie: Barbara Kantel

AllDasSch+Âne-0271klein
Foto: Isabel Machado Rios

 

Quelle: Staatsschauspiel Hannover
Fotos: Isabel Machado Rios

Verleihung: Hörspiel des Jahres 2018

Am kommenden Samstag findet die Preisverleihung Hörspiel des Jahres 2018 statt.

Hiermit laden wir zur öffentlichen Vorführung und Preisverleihung

Hörspiel des Jahres 2018

am 23. Februar 2019 um 19.30 Uhr Literaturhaus Frankfurt ein.

 

Das Programm:

Rückblick der Jury auf den Hörspiel-Jahrgang 2018 und Verlesen der Begründung „Hörspiel des Jahres“ – Präsentation des preisgekrönten Hörspiels – Preisverleihung – Gespräch mit Preisträgern und anwesendem Publikum, Susann Maria Hempel und Mareike Maage werden anwesend sein.

Moderation: Alf Mentzer

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

Eine von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste eingesetzte Jury wählt Monat für Monat aus den ARD-Ursendungen die nach ihrer Meinung beste Produktion. Aus 12 „Hörspielen des Monats“ wählt die gleiche Jury dann das „Hörspiel des Jahres“. Hörproben der monatlich gewählten Hörspiele sowie weitere Informationen dazu gibts hier:  http://www.darstellendekuenste.de/id-2018.html

 

AUF DER SUCHE NACH DEN VERLORENEN SEELENATOMEN

von Susann Maria Hempel
Musik & Regie: Susann Maria Hempel
Redaktion: Mareike Maage
Produktion: rbb mit freundlicher Unterstützung durch das Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste, Berlin
Länge: 54’31
Ursendung: 28.11. 2018

Das Radiostück basiert auf Gesprächen mit einem ehemaligen DDR-Häftling, der im Gefängnis einen schweren Schock mit darauffolgender Amnesie erlitt. Als vermeintlichem Republikflüchtling wurde ihm ein „Grenzproblem“ übergestülpt, das nicht seins war. Und dann hat er eine Grenzerfahrung ganz anderer Art gemacht: Im Gefängnis sei die Seele aus ihm „rausgemacht“ worden, sagt er. Und sie ist bis heute nicht heimgekehrt in ihr Gefäß. Er denkt sie sich dennoch gut aufgehoben – dort nämlich, wo ihr immer am wohlsten war: im Wald. Als sein ältester Freund starb, beginnt der Häftling, der Autorin von seinem Leben zu erzählen. Sie wird auf die tiefe Verbundenheit aufmerksam, die beide zum Wald hatten. Ihr ganz eigener, in der Kindheit wurzelnder Mythos des Waldes wurde mit dem Tod des Freundes wieder lebendig.

Susann Maria Hempel wurde 1983 im thüringischen Greiz geboren. Mit 16 Jahren brach sie die Schule ab und wirkte als Musikerin, Schauspielerin und künstlerische Mitarbeiterin im Performance- und Künstlerkollektiv „Theaterhaus Weimar“. 2001 bis 2009 studierte sie Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar mit Schwerpunkt Kurz- und Experimentalfilm. Als Stipendiatin der Thüringer Kulturstiftung erhielt sie 2012 das „cast&cut“- Kurzfilmstipendium in Hannover. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Experimentalfilmerinnen Deutschlands. Mit ihrem 18-minütigen Animationsfilm „Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen“ gewann sie sieben Preise im In- und Ausland, unter ihnen
„Der Deutsche Kurzfilmpreis“ im Jahr 2014 und im Frühjahr 2015 den Grand Prix des Clermont-Ferrand Short Film Festivals, Frankreich. AUF DER SUCHE NACH DEN VERLORENEN SEELENATOMEN ist ihr zweites Hörspiel.

susann maria hempel_c. samuel henne klein
Samuel Henne

Draußen vor der Tür – Theater Erlangen

Theater Erlangen

Draußen vor der Tür

Heimkehrdrama von Wolfgang Borchert

Gastspiel am 22. März um 19:30 im Parktheater Bensheim

Beckmann kommt nach drei Jahren Gefangenschaft aus dem Krieg zurück in ein zertrümmertes Deutschland. Seine Ankunft wird nicht zur lang ersehnten Heimkehr: Er sucht eine Bleibe, aber jede Tür schließt sich vor ihm. Alles hat er verloren, nur die Verantwortung wird er nicht los.
Der Kriegsheimkehrer Beckmann wurde zum Sprachrohr einer verlorenen Generation und „Draußen vor der Tür“ Schullektüre. Aber was erzählt uns Beckmanns Schicksal über die Gegenwart? Wie kann man sich ihm annähern? Welche neuen Fragen stellen sich?

DraussenVorDerTuer_FotoJQuast_010
Copyright Jochen Quast

Borcherts berühmtes Heimkehrstück ließ Enrique Fiß nach der ersten Lektüre nicht mehr los. Gemeinsam mit Niklas Handrich und Maria Sendlhofer initiierte er daraufhin bereits während seines Schauspielstudiums erste Proben. Am Theater Erlangen brachten sie „Draußen vor der Tür“ nun zur Premiere. Die Fassung für nur einen Schauspieler und einen Musiker führt Beckmann schlüssig ins Heute und betont, dass er nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist.

DraussenVorDerTuer_FotoJQuast_149
Copyright Jochen Quast

Mit Enrique Fiß, Niklas Handrich

Konzept: Enrique Fiß, Maria Sendlhofer
Regie: Maria Sendlhofer
Bühne & Kostüme: Sandra Dehler, Maria Sendlhofer
Musik: Niklas Handrich
Dramaturgie: Linda Best, Christina Kramer

Stückdauer: 80 Minuten

DraussenVorDerTuer_FotoJQuast_105
Copyright Jochen Quast

Pressestimmen:
„Mit hohem Körpereinsatz und präzisem Spiel ackert sich Enrique Fiß durch diese knackig-kurze Inszenierung von 80 Minuten, die ungemein engmaschig ist, die keine Leerstellen kennt, keine überflüssigen Zeilen, die wunderbar getimt daherkommt und dank der klug eingesetzten Mittel die gelungene Umsetzung eines überaus bekannten Titels darstellt. Das ist theatral im besten Sinne. Schullektüre ohne Holzhammer.“ Manfred Koch, Nürnberger Nachrichten

Fotos: Jochen Quast
Quelle: Theater Erlangen

Michael Kohlhaas – Nationaltheater Weimar

Nationaltheater Weimar

Michael Kohlhaas

von Heinrich von Kleist

Gastspiel am 13. März um 19:30 im Parktheater Bensheim

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas, »einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit« wird mit zwei zum Verkauf bestimmten Pferden an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen aufgehalten. Weil er einen scheinbar benötigten Passierschein nicht vorlegen kann, werden ihm die Tiere gepfändet und verwahrlosen beim Junker Wenzel von Tronka. Eine Klage gegen dieses Unrecht bleibt erfolglos. Das Bemühen seiner Frau Lisbeth, sich bei der Obrigkeit Gehör zu verschaffen, endet mit ihrem Tod. Kohlhaas sinnt auf Rache und brennt sich durch das Land, um von Tronka zu ergreifen. Die Mächtigen um den Sächsischen Kurfürsten sind sich nicht einig, wie der Staat auf den Rosshändler reagieren soll. Kohlhaas Recht geben und die begangen Straftaten amnestieren? Oder ihn mit aller Härte aus dem Verkehr ziehen?

can_20171106_A_007
Copyright Nationaltheater Weimar
can_20171106_A_009
Copyright Nationaltheater Weimar

Regisseur Sebastian Martin lässt die Geschichte des Rosshändlers von vier rechtsextremen Erzählerfiguren interpretieren, die sich in Michael Kohlhaas wiedererkennen: vom Staat und seinen Vertretern enttäuscht, ungerecht behandelt und fest entschlossen, sich mit allen notwendigen Mitteln dagegen zu wehren. Die Figuren machen sich Stationen der Novellenhandlung fragmentarisch zu eigen, um die Geschichte mit Bezügen zu unserer Gegenwart in ihrem Sinne umzudeuten. Die Zuschauer*innen sind gefordert, sich dieser auf die Spitze getriebenen Umdeutung und Inbesitznahme der Novelle zu stellen und sich dazu zu verhalten.

Mit:
Marcus Horn, Thomas Kramer, Jonas Schlagowsky, Isabel Tetzner

Regie: Sebastian Martin
Bühne und Kostüme: Kaja Bierbrauer
Dramaturgie: Carsten Weber
Video: Bastian Klügel

can_20171106_A_001
Copyright Nationaltheater Weimar

Pressestimmen:
»Das ist eine intelligente Arbeit, die zeigt, wie man diesen Kohlhaas missbrauchen kann. Die Gefahr, dass sie’s selbst tut, steht stets im Raum, bleibt aber uneingelöst. Dafür sorgen vier exzellente Schauspieler, die die gesamte ideologische Klaviatur ihrer Figuren ebenso durchschimmern lassen wie die eigene, eher konträre Haltung dazu.«

(Thüringer Allgemeine, 11.11.2017, Michael Helbing)

Fotos: Nationatheater Weimar
Quelle: Nationaltheater Weimar

 

Jugend ohne Gott – Düsseldorfer Schauspielhaus

D’Haus – Junges Schauspiel

Jugend ohne Gott

von Ödön von Horváth
in einer Fassung von Kristo Šagor — Für alle ab 13 Jahren

Gastspiel am 9. März 2019 um 19:30 im Parktheater Bensheim

Ihre Kindheit erlebten sie in der Demokratie, ihre Pubertät bereits in der Diktatur. »Jugend ohne Gott« spielt 1936 in Nazideutschland. Schüler*innen werden zu Menschenverachtung, Gehorsam und Rassenhass erzogen. Bei Geländeübungen und Lagerfeuerromantik probieren sie das Kriegshandwerk, während opportunistische und obrigkeitshörige Erwachsene sich am Rande des Abgrunds der Genusssucht hingeben. Als Zeichen fortschreitender Entindividualisierung gesteht Horváth den Schüler*innen keine Namen zu. Der erwachsene Protagonist heißt lediglich »Lehrer«. Nur die Anführerin einer Diebesbande erhält einen Namen: Eva. »Z« immerhin schreibt Tagebuch. Riskant sind seine Einträge über die heimliche Liaison mit Eva oder die Zweifel an der militaristischen, faschistischen Erziehung. Als das Kästchen, in dem »Z« sein Tagebuch aufbewahrt, aufgebrochen wird, glaubt »Z« in »N« den Täter zu erkennen. Später wird dieser tot im Wald gefunden, und der Verdacht fällt auf Eva. Ein Krimi beginnt, der von den Folgen herrschender Menschenverachtung erzählt. In seinem Meisterwerk von 1937 erkundet Horváth die Geburt des Faschismus.
Kristo Šagor schreibt und inszeniert für Erwachsene, wie auch für junges Publikum. Als Autor und Regisseur ist er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem deutschen Theaterpreis »Der Faust«. Mit einem akribisch genauen Umgang mit Texten legt er tiefere Schichten frei und schafft hochspannende Theatererlebnisse. Die Bühnenbildnerin Iris Kraft entwirft für »Jugend ohne Gott« eine bewegliche Bühnenfläche, die dem Ensemble ein Spiel zwischen Balance und Kippmomenten ermöglicht.

Mit: Selin Dörtkardeş, Jonathan Gyles, Paul Jumin Hoffmann, Marie Jensen, Thomas Kitsche

Regie
: Kristo Šagor
Bühne und Kostüm: Iris Kraft
Musik: Felix Rösch
Dramaturgie: Kirstin Hess
Theaterpädagogik: Thiemo Hackel

Jugend ohne Gott

 

Pressestimmen: Rheinische Post, 15.9.2018
Mit Ödön von Horvaths »Jugend ohne Gott« fragt das Junge Schauspielhaus, was es kostet, sich einer verrohten Gesellschaft entgegenzustellen. […] Ein Lehrstück über Mut und Anstand und die richtige Haltung in einer falschen Zeit. Mit einem starken politischen Stoff beginnt das Junge Schauspielhaus also seine Spielzeit, und gleich zu Beginn wird klar, dass »Jugend ohne Gott« kein abgelagertes Stück aus brauner Vorzeit ist, sondern mit seinen Fragen nach Zivilcourage und dem Widerstandsgeist von Demokraten die Zeit wieder trifft. […] Das Ensemble, in dem drei neue Darsteller des Jungen Schauspielhauses zu erleben sind, ist bereits bestens aufeinander eingespielt. Es stemmt diese Inszenierung mit der rasanten Szenenfolge wirklich als Team.

Jugend ohne Gott

 

Im Herzen der Gewalt – Thalia Theater

Heute stellen wir Euch das erste Stück des Programms in der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler vor. Wir starten mit dem ersten Gastspiel vom

Thalia Theater

Im Herzen der Gewalt

von Édouard Louis
In einer Fassung von Franziska Autzen und Matthias Günther

Gastspiel am 7. März ca. 20:15 im Parktheater Bensheim

Auf der Straße begegnet Édouard einem jungen Mann. Er heißt Reda. Ein Flirt beginnt. Er nimmt ihn mit nach Hause. Eine schöne Nacht, doch sie wird Édouards Leben nachhaltig verändern, als Reda ihn mit einer Pistole bedroht, fesselt und vergewaltigt. Édouard flieht aus Paris zu seiner Schwester Clara in die Provinz, aus der er einst verschwand, beschimpft als Schwuchtel und behandelt wie ein Aussätziger. Alles in Édouards Kopf dreht sich um diese Erfahrung im „Herzen der Gewalt“, um seine Scham, überhaupt darüber zu sprechen, seine verspätete Anzeige bei der Polizei, die Untersuchungen und Befragungen durch Juristen, Ärzte und Polizisten. Er fühlt sich seiner Geschichte beraubt und er wird mit dem Rassismus der Beamten konfrontiert, die im Polizeijargon von dem Täter bloß als „maghrebinischem Typus“ sprechen. „Für sie“, so Édouard, „implizierte maghrebinischer Typus keine geographische Information, sondern bedeutete schlicht Schurke, Übeltäter, Krimineller.“

Thalia Theater
Copyright Krafft Angerer
Thalia Theater
Copyright Krafft Angerer

Édouard Louis, der mit seinem autobiografschen Roman „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der französischen Literatur avancierte, thematisiert auch in seinem zweiten Roman die strukturelle und physische Gewalt, die Sprache und Politik ausüben. „Unsere Welt ist tief von Gewalt geprägt“, sagt Édouard Louis, „Die einzige Möglichkeit, die Gewalt zu bekämpfen, ist, darüber zu sprechen.“

Dauer 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Mit:
Toini Ruhnke und Sebastian Jakob Doppelbauer
Regie: Franziska Autzen
Ausstattung: Sina Brüggemann
Musik: Johannes Hofmann
Video: Simon Janssen
Tanz-Choreographie: Heiko Büter
Dramaturgie: Matthias Günther
Aufführungsrechte: The Wylie Agency London

 

Pressestimmen:
„Dank einer Regie, die sich auf das Wesentliche beschränkt, und dem Spiel zweier Darsteller, die keine Scheu zeigen, bis an ihre Grenzen zu gehen, ist dieser kurzweilige Abend politisches Statement, Seelenschau und nicht zuletzt Theater, über das nachzudenken sich lohnt. Sebastian Jakob Doppelbauer und Toini Ruhnke werfen aus ganz unterschiedlichen Richtungen Schlaglichter auf Èdouards Geschichte, lassen kurze Szenen aufblitzen und versprühen in scharfkantigen Dialogen reichlich Geschwistergift.“ – Sören Ingwersen, Szene Hamburg, Oktober 2018

Fotos Copyright Krafft Angerer
Quelle: Thalia Theater Hamburg