Rezension ALL DAS SCHÖNE

Zwischen Heiterkeit und Ernsthaftigkeit

von Dominic Schopp und Niklas Dietz

Der Umgang mit Depression – ein ernstes und, so möchte man vermuten, schwer zu inszenierendes Thema, das aber humorvoll und mit dem nötigen Respekt in Szene gesetzt, das Publikum erheiterte. Dies zeichnete das von Duncan Macmillan geschriebene und von dem Ensemble des Staatsschauspiels Hannover inszenierte Mitmachstück „All das Schöne“ aus, das zum Abschluss der Woche junger Schauspieler im Parktheater aufgeführt worden ist.

Die Uraufführung des überarbeiteten Stücks war der 3.6.2017. Die positive Reaktion des Publikums war nicht zuletzt dem aktiven Miteinbeziehen durch den Hauptdarsteller, Jonas Steglich, geschuldet. Außer dem Hauptdarsteller war Christian Decker, der für die musikalische Leitung verantwortlich war, auf der Bühne. Außerhalb der Bühne waren Andreas Alexander Straßer (Bühnenbild), Paul Schwesig (Regie und Kostüme) und Barbara Kantel (Dramaturgie) beteiligt.

Das Stück befasst sich mit dem anfangs siebenjährigen Jungen Tommy, der, aufgrund eines Selbstmordversuches seiner Mutter, früh dazu gezwungen ist, sich mit dem Thema Tod und Depression auseinanderzusetzen. Dies bewegt ihn dazu, eine Liste lebensbejahender Dinge anzufangen, um seiner Mutter die Schönheit des Lebens zu zeigen, „1. Eiscreme, 2.…“. Jedoch geht seine Mutter nicht auf die Liste ein, die ihn, den Sohn, hingegen sein ganzes Leben begleitet. Tiefpunkte, wie Trennung oder der spätere Selbstmord seiner Mutter, bringen Tommy häufig selbst an den Rand der Depression, doch schafft er es mit Hilfe der Liste, sich stets neu aufzubauen.

So kommt es, dass die Liste über die Jahre hinweg immer weiter vervollständigt wird, bis sie letztendlich eine Million Dinge umfasst „…999 999. Eine Aufgabe abschließen“. Die Inszenierung zeichnete sich unter anderem durch ein einzigartiges Bühnenbild aus. Es bestand aus sechs frei beweglichen Spiegeln, die während des Stücks in verschiedensten Positionen um einen drehbaren Kubus herum aufgestellt waren. In erwähntem Kubus befanden sich einige Pflanzen, die in Kombination mit dem Kubus einen geschützten Ort darstellen sollten.

Mit den Spiegeln wurde der gelungene Effekt erzielt, dass sich das Publikum in das Stück mit einbezogen fühlte. Zudem kreierten sie eine bessere Einsicht auf die Bühne. Während des Stücks wurde viel mit Musik gearbeitet, die sich von der Musik des Originalstücks unterschied. Sie wurde vom Ensemble selbst komponiert und vom Hauptdarsteller vorgetragen. Doch glänzte er nicht nur durch den Gesang, sondern auch durch seine schauspielerische Leistung, für die er zum besten Schauspieler der Woche junger Schauspieler gekürt wurde.

Er überzeugte mit Textsicherheit, Präsenz, Verständlichkeit und nicht zuletzt Improvisationskunst im Interagieren mit dem Publikum. Das Zusammenspiel der oben genannten Faktoren erzeugte eine von der Abwechslung zwischen Heiterkeit und Ernsthaftigkeit geprägte Atmosphäre. Der Charakter des Stückes wurde maßgeblich von der Publikumsinteraktion geprägt, wie zum Beispiel dem Heraussuchen einiger Zuschauer, die während des Stücks kleinere Rollen übernehmen sollten, was sehr gut funktionierte.

Ein anderes Beispiel: Der Hauptdarsteller verteilte im Publikum Zettel aus der Liste und ließ diese vom Publikum vorlesen. Bereits das Originalstück wurde mit dem Grundgedanken geschrieben, das Publikum zu beteiligen. Mit dem Vorwissen, dass die Erstaufführung des Originalstücks zuvor nicht den gewünschten Erfolg brachte, ist die Umsetzung in Bensheim sehr gut gelungen. Zunächst wirkte das Konzept eher chaotisch und riss das Publikum aus der Handlung, doch fügten sich diese Passagen immer besser in die Inszenierung ein.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eben diese Interaktionen dem Stück seinen Charakter verliehen haben. Zudem ist lobend hervorzuheben, wie es geschafft wurde, mit gebührendem Respekt vor dem Thema Depression, dessen Ernsthaftigkeit zu vermitteln und dennoch das Publikum zum Lachen zu bringen und über die Dauer des Stückes zu unterhalten.

Unserer Meinung nach lässt sich sagen, dass das Stück seine Auszeichnungen für die beste schauspielerische Leistung sowie die Preise für das beste Stück von jeweils Schüler- und Erwachsenenjury verdient hat. „All das Schöne“: Ein aussagekräftiges Stück, das vermittelt, dass der Blick auf die vielen schönen Dinge im Leben in depressiven Phasen helfen kann.

Veröffentlicht von Helene

director / mum / blogger / texter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: