Rezension II JUGEND OHNE GOTT

Die Schüler*innen des Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim sehen jedes Gastspiel der Woche Junger Schauspielerinnen und Schauspieler. Gemeinsam mit ihren Lehrer*innen besprechen sie die Stoffe und schreiben Vorberichte und Kritiken.
Hier kommt eine weitere Rezension zu JUGEND OHNE GOTT  vom Düsseldorfer Schauspielhaus.

„Ein bewegter Abend“

von Paul Rönnebeck

Ein Abend mit Höhen und Tiefen, Emotionen, mit Gesellschaftskritik und einer beeindruckenden Ensembleleistung, kurz ein bewegter Abend, so wird mir die zweistündige Aufführung von Kristo Sagors Auffassung des Romans ,,Jugend ohne Gott“, von dem österreich-ungarischen Schriftsteller Ödön von Horvath, in Erinnerung bleiben. Das Stück, das am 13.September 2018 Premiere feierte, handelt von einem Gymnasiallehrer, der mit seiner Klasse in ein Ferienlager fährt, bei dem die Teenager eine vormilitärische Ausbildung erhalten. Kurz darauf entdeckt der Lehrer, dass sein Schüler Z eine heimliche Liebesbeziehung mit einem fremden Mädchen namens Eva führt, indem er das Kästchen mit dem Tagebuch des Z aufbricht. Zwei Tage darauf wird einer seiner anderen Schüler tot aufgefunden. Z wird verdächtigt, weil er vor dem Tod des N ihn verdächtigt hatte, sein Kästchen zerbrochen zu haben. Das Stück endet mit dem Selbstmord eines weiteren Schülers, der während des laufenden Strafprozesses verdächtigt wurde.

Aber was genau hat diesen Abend jetzt so erinnerungswürdig gemacht?

Einen großen Anteil an der Besonderheit und Wirkung des Stücks hat vor allem das Bühnenbild. In der Mitte der Bühne war eine quadratische Fläche, die zu schweben schien. Diese bewegte sich, je nachdem, wo sich die fünf Schauspieler auf der Platte postierten, nach vorne, hinten oder zur Seite, sodass das Stück unglaublich dynamisch wirkte, da ständig alle in Bewegung sein mussten, um das Gleichgewicht auf der Platte zu halten und nicht runterzufallen, sodass dem Zuschauer wirklich nicht langweilig wurde. Außerdem schaffte diese Ungleichheit in der Höhe oft eine sehr deutliche Darstellung der Beziehungen der Personen, beispielsweise die Beziehung von Feldwebel und den Schülern, bei der durch die Schwebe nochmal die erhöhte Stellung des Feldmarschalls deutlich gemacht wurde.

Ein weiterer Aspekt, der die Stimmung des Stücks untermalte, war die Musik im Hintergrund, die, wie man in der Nachbesprechung erfuhr, simultan zu den Proben vom Musiker Felix Rösch komponiert wurde.

Als letztes möchte ich auf die Schauspieler zu sprechen kommen, die vor allem durch ihre gute Koordinationsfähigkeit auf der schwebenden Fläche und der guten Chemie untereinander aufgefallen sind. Sie schafften es, zu fünft über dreißig Charaktere, mithilfe von Stimmverstellung, verschiedene Körperhaltungen und wenigen Requisiten, glaubwürdig rüberzubringen. Diese Ensembleleistung wurde dann auch am Ende der Aufführung im restlos ausverkauften Theatersaal mit einem großen Applaus gewürdigt.

Meiner Meinung nach hätte das Stück auch ein bisschen kürzer sein können, da es aber eine Buchvorlage ist, denke ich dass die Länge gerechtfertigt ist und die 2 Stunden letztlich gerechtfertigt sind, deshalb kann ich „Jugend ohne Gott“ nur weiterempfehlen. Es ist vor allem aufgrund der guten Chemie der Charaktere und Schauspieler auf der Bühne sehenswert.

Foto: David Baltzer

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