Jugend ohne Gott – Düsseldorfer Schauspielhaus

D’Haus – Junges Schauspiel

Jugend ohne Gott

von Ödön von Horváth
in einer Fassung von Kristo Šagor — Für alle ab 13 Jahren

Gastspiel am 9. März 2019 um 19:30 im Parktheater Bensheim

Ihre Kindheit erlebten sie in der Demokratie, ihre Pubertät bereits in der Diktatur. »Jugend ohne Gott« spielt 1936 in Nazideutschland. Schüler*innen werden zu Menschenverachtung, Gehorsam und Rassenhass erzogen. Bei Geländeübungen und Lagerfeuerromantik probieren sie das Kriegshandwerk, während opportunistische und obrigkeitshörige Erwachsene sich am Rande des Abgrunds der Genusssucht hingeben. Als Zeichen fortschreitender Entindividualisierung gesteht Horváth den Schüler*innen keine Namen zu. Der erwachsene Protagonist heißt lediglich »Lehrer«. Nur die Anführerin einer Diebesbande erhält einen Namen: Eva. »Z« immerhin schreibt Tagebuch. Riskant sind seine Einträge über die heimliche Liaison mit Eva oder die Zweifel an der militaristischen, faschistischen Erziehung. Als das Kästchen, in dem »Z« sein Tagebuch aufbewahrt, aufgebrochen wird, glaubt »Z« in »N« den Täter zu erkennen. Später wird dieser tot im Wald gefunden, und der Verdacht fällt auf Eva. Ein Krimi beginnt, der von den Folgen herrschender Menschenverachtung erzählt. In seinem Meisterwerk von 1937 erkundet Horváth die Geburt des Faschismus.
Kristo Šagor schreibt und inszeniert für Erwachsene, wie auch für junges Publikum. Als Autor und Regisseur ist er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem deutschen Theaterpreis »Der Faust«. Mit einem akribisch genauen Umgang mit Texten legt er tiefere Schichten frei und schafft hochspannende Theatererlebnisse. Die Bühnenbildnerin Iris Kraft entwirft für »Jugend ohne Gott« eine bewegliche Bühnenfläche, die dem Ensemble ein Spiel zwischen Balance und Kippmomenten ermöglicht.

Mit: Selin Dörtkardeş, Jonathan Gyles, Paul Jumin Hoffmann, Marie Jensen, Thomas Kitsche

Regie
: Kristo Šagor
Bühne und Kostüm: Iris Kraft
Musik: Felix Rösch
Dramaturgie: Kirstin Hess
Theaterpädagogik: Thiemo Hackel

Jugend ohne Gott

 

Pressestimmen: Rheinische Post, 15.9.2018
Mit Ödön von Horvaths »Jugend ohne Gott« fragt das Junge Schauspielhaus, was es kostet, sich einer verrohten Gesellschaft entgegenzustellen. […] Ein Lehrstück über Mut und Anstand und die richtige Haltung in einer falschen Zeit. Mit einem starken politischen Stoff beginnt das Junge Schauspielhaus also seine Spielzeit, und gleich zu Beginn wird klar, dass »Jugend ohne Gott« kein abgelagertes Stück aus brauner Vorzeit ist, sondern mit seinen Fragen nach Zivilcourage und dem Widerstandsgeist von Demokraten die Zeit wieder trifft. […] Das Ensemble, in dem drei neue Darsteller des Jungen Schauspielhauses zu erleben sind, ist bereits bestens aufeinander eingespielt. Es stemmt diese Inszenierung mit der rasanten Szenenfolge wirklich als Team.

Jugend ohne Gott

 

Veröffentlicht von Helene

director / mum / blogger / texter

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