Abschlussbericht: Schulprojekt THEATERKRITK

„Wir wünschen uns mehr moderne Themen- mehr politische Themen im Theater!“

Wie blicken auf spannende Wochen zurück. Wir haben die WOCHE JUNGER SCHAUSPIELERINNE UND SCHAUSPIELER mit einem fulminanten Abschluss beendet, haben einen Tripple-Sieger gekürt und fünf tolle Gastspiele erleben dürfen.

Im Rahmen der #wjs hatten wir erneut die Freude, uns mit jungen Zuschauern, Kritikern und Theaterbegeisterten auszutauschen. Im Schulprojekt THEATERKRITIK fand auch dieses Jahr ein reger Austausch über theatrale Formen, Interpretationen und Regietheater statt.

Die Schüler*innen haben nicht nur mit diskutiert, sondern auch Vorberichte und Kritiken erstellt, im Social Media Management mitgewirkt und eifrig mit den Schauspieler*innen und Theatermitarbeiter*innen debattiert.
Elf Schüler*innen aus verschiedenen Schulen in und um Bensheim haben sich alle fünf Aufführungen angesehen und nach engagierten und zum Teil auch kontroversen Diskussionen, ihren eigenen Preis als Schüler*innen-Jury vergeben.

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Schüler-Jury des Schulprojekts THEATERKRITIK

Aber wir waren nicht nur im Theaterraum aktiv, sondern auch in der Schule.
Raphael Kassner (Kooderinator des Schulprojekts der WJS) und Marie Helene Anschütz (PR- und Social Media Managerin der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste) besuchten die Schüler*innen des Schulprojekts im Alten Kurfürstlichen Gymnasium Bensheim. Gemeinsam mit den Lehrern des Gymnasiums wurden die Stücke gelesen, besucht und besprochen, so fiel uns eine inhaltliche Arbeit mit den Schüler*innen sehr leicht.

 

In den Workshops, angebunden an das Schulprojekt THEATERKRITIK, entstanden angeregte Diskussionen über Digitalität im Bühnenraum, oder wie die Theater ihr junges Publikum besser erreichen könnten.

 

Die Schüler*innen wünschen sich mehr Werbung via Social Media, mehr Themen auf Bühnen, die sie und die heutige Gesellschaft betreffen, außerdem mehr Rabatte für Schüler*innen auf Abos und Eintrittskarten.
Die Spielpläne der umliegenden Häuser sollen in Schulen geschickt und die Stoffe noch mehr ins Klassenzimmer getragen werden.

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Hier ein paar Otöne der Schüler*innen:

„Wir wünschen uns mehr moderne Themen- mehr politische Themen im Theater!“

„Mich würden Themen interessieren, die mit dem Erwachsenwerden, steigendem Druck auf die Jugend und Vorurteilen von Erwachsenen zutun haben.“

 „Was mir dieses Jahr besonders gefallen hat, war das Mitmachtheater. Das Interagieren mit dem Publikum!“

„Theater darf nicht zu viel kosten. Schüler können sich das oft nicht leisten.“

 „Mehr zeitgemäße Stücke mit modernem Menschenbild. Mich langweilen solche „alten“ und „normalen“ Stücke.“

 „Mehr Social Media Werbung bitte!“

 

Außerdem besonders in diesem Jahr – und durch die Förderung aus den Mitteln des Kulturkoffers möglich gemacht: Neben den Schüler*innen aus Bensheim besuchte auch eine Gruppe junger Leute der Darmstädter JOBLINGE (gemeinnützige AG) zwei Aufführungen der WJS, zu denen es vor- und nachbereitende theaterpraktische Workshops gab.

Wir haben die JOBLINGE zum Projekt befragt:

„Die Workshops davor und danach fand ich gut, da es uns einen Einblick
zu den Stücken gab.“

„Das Theater, bzw. die Aufführungen waren mal was ganz Neues für mich!“

„Dank des Projekts, habe ich das Stück und Theater im Allgemeinen und  besser verstanden.“

 

Wir konnten dieses Jahr mit Geldern aus dem sogenannten „Kulturkoffer“, ein Förderprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, unsere Kreise rund um das Schulprojekt Theaterkritik erheblich erweitern.

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Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Schüler*innen, bei Frau Lang und Herrn Schuller des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim für diese tolle Zusammenarbeit. Ebenso dem Bergsträßer Anzeiger als Kooperationspartner.

 

Fotos: Alexandra Lechner Fotografie

 

Rezension III ALL DAS SCHÖNE

Lebensbejahung anstatt Suizid

von Alexander Rhein

Das Theaterstück „All das Schöne“ hört sich schön an, denn es ist kein trauriges Stück über Depressionen, sondern ein humorvolles Stück über Lebensbejahung. Im Fachjargon nennt man das Resilienz (Fähigkeit, Krisen zu bewältigen) und man könnte sagen, das Stück ist eine gemeinsame Übung, mit dem Publikum diese Resilienz zu entwickeln.

Es handelt von einem Sohn, der versucht, mit den Suizidversuchen seiner Mutter klarzukommen und ihr zu helfen, indem er eine Liste mit all dem zusammenstellt, was das Leben schön macht. Diese Liste rettet die Mutter nicht, aber ihn. Aufgeführt wurde der Monolog im Parktheater in Bensheim.

Immer mehr Punkte für die Lebens-Liste werden gefunden

Mit dem ersten Punkt Eiscreme wird die Lebensliste angeführt, darauf folgt die Wasserschlacht und länger fernsehen, aber auch die Schokolade ist lebenswert. Am Ende hat die Liste ein Million Gründe, weshalb es sich lohnt, zu leben. Und aus dem einst siebenjährigen Jungen ist inzwischen ein Teenager geworden, beenden wird er die Liste dann am Ende als erwachsene Person. Die XXL-Liste hat die Mutter zweimal vor dem Suizid gerettet, doch der dritte Versuch endet dann mit dem Tod.

Das Theaterstück „All das Schöne“ war am Ende irgendwie zweigeteilt, denn zum einen steht das traurige Thema Suizid der Mutter im Raum. Zum anderen wurde man als Zuschauer in die Aufführung miteingebunden und nahm somit direkt an der Handlung teil, die damit dann doch nicht so traurig war. Im Verlauf des Abends waren somit ein Junge, eine Freundin, eine Psychologin, ein Tierarzt und viele weitere auf der Bühne. Die Zuschauermenge verringerte sich und aus dem anfänglichen Monolog wurde so ein richtiges Stück mit vielen Bühnendarstellern.

Ein Stück, das zum Nachdenken anregt

Doch Suizid ist nicht nur bei Erwachsenen ein Thema. In der heutigen Zeit nehmen sich gerade viele Jugendliche das Leben, weil sie Mobbingopfer wurden oder vielleicht missbraucht worden sind. Das Theaterstück endete für mich deshalb nicht mit der Aufführung. Denn auf dem Nachhauseweg sind mir so viele Gedanken in den Sinn gekommen. Das sensible Thema sollte meiner Meinung nach durchaus in der Schule Beachtung finden, denn Depressionen können sehr vielfältig sein und werden in dem Monolog herausragend und gleichzeitig skurril beschrieben.

Ich finde, der Dramaturgin Barbara Kantel, die die Leitung junger Schauspieler Hannover inne hat, hat ein interessantes und gleichzeitig ein sehr persönliches Theaterprojekt über Depressionen ausgewählt. Inszeniert hat es der Regisseur Paul Schwesig.

Hervorragend gespielt wurde das Stück durch den Schauspieler Jonas Steglich, der den Günter-Rühle-Preis gewann. Außerdem hat „All das Schöne“ sowohl den Schülerpreis, als auch den Publikumspreis bekommen. Das ist der erste Triple seit 24 Jahren, seit dem Bestehen der Woche für junge Schauspielerinnen und Schauspieler.

Rezension II ALL DAS SCHÖNE

Zu Recht mit vielen Preisen belohnt

von Mara Arzberger

Dinge, für die es sich zu leben lohnt: Nummer 1: „Eiscreme“. Eine Liste, die das Leben von Jonas Mutter retten soll und seine Sicht auf die Welt verändert. Es ist der 8. November 1997, als Jonas Mutter ihren ersten Selbstmordversuch aufgrund von Depressionen begeht. Jonas ist zu der Zeit sieben Jahre alt und noch zu jung, um das alles zu verstehen. Trotzdem will er seiner Mutter helfen, indem er ihr eine Liste mit Dingen aufschreibt, für die es sich zu leben lohnt. Die Liste wächst und wächst, doch seiner Mutter kann er nicht helfen. Je älter er wird, desto mehr beschäftigen ihn die Selbstmordversuche seiner Mutter und die Liste. Er verbringt Tage und Nächte damit, die Liste fortzuführen. Zeitweise sieht er keinen Sinn im Führen der Liste. Doch nach kurzer Zeit merkt er, dass sich seine Sicht auf die Welt geändert hat. Jonas lernt alles wertzuschätzen, sein Leben zu genießen und realisiert langsam, dass seine Mutter die Depressionen nicht besiegen kann.

„All das Schöne“, ein Mitmachtheater, inszeniert vom Jungen Schauspiel Hannover. Ein vorerst skeptischer Gedanke meinerseits wandelte sich in das Erleben eines grandiosen und lustigen Abends um. Jonas Steglich überzeugte vorerst mit seiner Soloperformance, hatte jedoch viel Unterstützung von spontan ausgewählten Zuschauern aus dem Publikum. So spielte jemand spontan den Tierarzt, die Dozentin oder sogar Jonas Freundin Ulli. Der Schauspieler erschien den Menschen so offen und sympathisch, dass jeder sofort bereit war, auf die Bühne zu gehen. Unterstützt wurde Jonas Steglich von Christian Decker, der nicht nur den Vater spielte, sondern auch für großartige Livemusik sorgte. Als Vater war er nur als stille Person zu sehen, doch konnte er das Publikum mit seinen Musikkünsten überzeugen. Die beiden unterhielten das Publikum 90 Minuten mit einer großartigen schauspielerischen Leistung und einzigartiger Musik. Zuständig für die Regie war Paul Schwesig, für die Dramaturgie Barbara Kantel.

Nicht nur die spontan ausgewählten Zuschauer beteiligten sich am Stück, sondern auch viele andere. So verteilte Jonas Steglich am Anfang des Stückes Zettel in den Reihen des Parktheaters mit Notizen von der Liste. Ständig wurde die Liste im Laufe des Abends erweitert. Eine Nummer wurde aufgerufen, und der Zuschauer durfte den Zettel vorlesen. Auf der Bühne stand ein kleiner, drehbarer Raum aus Glas. Umgeben wurde dieser von beweglichen Spiegeln. Während des ganzen Abends wurden die verschiebbaren Spiegel mit den Zetteln gefüllt. Der Schauspieler verschob die Spiegel während der Auftritte oft, und jedes Mal wurde ein neues Bild durch die Spiegelungen inszeniert.

Insgesamt bot das Stück „All das Schöne“ einen gelungenen Abschied der Woche junger Schauspieler. Das Thema Depressionen wurde auf eine schöne und ermutigende Art und Weise an den Zuschauer herangeführt, ohne dass sich zu irgendeiner Zeit darüber lustig gemacht wurde. Jonas Steglich stärkte den Zuschauer mit der Botschaft, dass es „immer besser wird, vielleicht nicht 100% perfekt, aber es besser wird“. So ging jeder Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Saal. Jedoch wurde auch jeder zum Nachdenken angerregt. Es war ein besonderes Ende, denn es gab Eiscreme für alle, der erste Punkt der Liste, die Jonas „All das Schöne“ nannte. Der ganze Abend überzeugte nicht nur das Publikum, das man während des Stückes oft lachen hörte, sondern auch die Jury. Am Ende des Abends konnte das Schauspielhaus Hannover drei Preise ergattern: Den Publikumspreis, den Preis der Schülerjury sowie den Günther-Rühle-Preis. In summa ein Abend, der den Zuschauern noch lange im Gedächtnis bleiben wird und zu Recht mit vielen Preisen belohnt wurde.

Foto: Dietmar Funk

Rezension ALL DAS SCHÖNE

Zwischen Heiterkeit und Ernsthaftigkeit

von Dominic Schopp und Niklas Dietz

Der Umgang mit Depression – ein ernstes und, so möchte man vermuten, schwer zu inszenierendes Thema, das aber humorvoll und mit dem nötigen Respekt in Szene gesetzt, das Publikum erheiterte. Dies zeichnete das von Duncan Macmillan geschriebene und von dem Ensemble des Staatsschauspiels Hannover inszenierte Mitmachstück „All das Schöne“ aus, das zum Abschluss der Woche junger Schauspieler im Parktheater aufgeführt worden ist.

Die Uraufführung des überarbeiteten Stücks war der 3.6.2017. Die positive Reaktion des Publikums war nicht zuletzt dem aktiven Miteinbeziehen durch den Hauptdarsteller, Jonas Steglich, geschuldet. Außer dem Hauptdarsteller war Christian Decker, der für die musikalische Leitung verantwortlich war, auf der Bühne. Außerhalb der Bühne waren Andreas Alexander Straßer (Bühnenbild), Paul Schwesig (Regie und Kostüme) und Barbara Kantel (Dramaturgie) beteiligt.

Das Stück befasst sich mit dem anfangs siebenjährigen Jungen Tommy, der, aufgrund eines Selbstmordversuches seiner Mutter, früh dazu gezwungen ist, sich mit dem Thema Tod und Depression auseinanderzusetzen. Dies bewegt ihn dazu, eine Liste lebensbejahender Dinge anzufangen, um seiner Mutter die Schönheit des Lebens zu zeigen, „1. Eiscreme, 2.…“. Jedoch geht seine Mutter nicht auf die Liste ein, die ihn, den Sohn, hingegen sein ganzes Leben begleitet. Tiefpunkte, wie Trennung oder der spätere Selbstmord seiner Mutter, bringen Tommy häufig selbst an den Rand der Depression, doch schafft er es mit Hilfe der Liste, sich stets neu aufzubauen.

So kommt es, dass die Liste über die Jahre hinweg immer weiter vervollständigt wird, bis sie letztendlich eine Million Dinge umfasst „…999 999. Eine Aufgabe abschließen“. Die Inszenierung zeichnete sich unter anderem durch ein einzigartiges Bühnenbild aus. Es bestand aus sechs frei beweglichen Spiegeln, die während des Stücks in verschiedensten Positionen um einen drehbaren Kubus herum aufgestellt waren. In erwähntem Kubus befanden sich einige Pflanzen, die in Kombination mit dem Kubus einen geschützten Ort darstellen sollten.

Mit den Spiegeln wurde der gelungene Effekt erzielt, dass sich das Publikum in das Stück mit einbezogen fühlte. Zudem kreierten sie eine bessere Einsicht auf die Bühne. Während des Stücks wurde viel mit Musik gearbeitet, die sich von der Musik des Originalstücks unterschied. Sie wurde vom Ensemble selbst komponiert und vom Hauptdarsteller vorgetragen. Doch glänzte er nicht nur durch den Gesang, sondern auch durch seine schauspielerische Leistung, für die er zum besten Schauspieler der Woche junger Schauspieler gekürt wurde.

Er überzeugte mit Textsicherheit, Präsenz, Verständlichkeit und nicht zuletzt Improvisationskunst im Interagieren mit dem Publikum. Das Zusammenspiel der oben genannten Faktoren erzeugte eine von der Abwechslung zwischen Heiterkeit und Ernsthaftigkeit geprägte Atmosphäre. Der Charakter des Stückes wurde maßgeblich von der Publikumsinteraktion geprägt, wie zum Beispiel dem Heraussuchen einiger Zuschauer, die während des Stücks kleinere Rollen übernehmen sollten, was sehr gut funktionierte.

Ein anderes Beispiel: Der Hauptdarsteller verteilte im Publikum Zettel aus der Liste und ließ diese vom Publikum vorlesen. Bereits das Originalstück wurde mit dem Grundgedanken geschrieben, das Publikum zu beteiligen. Mit dem Vorwissen, dass die Erstaufführung des Originalstücks zuvor nicht den gewünschten Erfolg brachte, ist die Umsetzung in Bensheim sehr gut gelungen. Zunächst wirkte das Konzept eher chaotisch und riss das Publikum aus der Handlung, doch fügten sich diese Passagen immer besser in die Inszenierung ein.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eben diese Interaktionen dem Stück seinen Charakter verliehen haben. Zudem ist lobend hervorzuheben, wie es geschafft wurde, mit gebührendem Respekt vor dem Thema Depression, dessen Ernsthaftigkeit zu vermitteln und dennoch das Publikum zum Lachen zu bringen und über die Dauer des Stückes zu unterhalten.

Unserer Meinung nach lässt sich sagen, dass das Stück seine Auszeichnungen für die beste schauspielerische Leistung sowie die Preise für das beste Stück von jeweils Schüler- und Erwachsenenjury verdient hat. „All das Schöne“: Ein aussagekräftiges Stück, das vermittelt, dass der Blick auf die vielen schönen Dinge im Leben in depressiven Phasen helfen kann.

Tripple in Bensheim

ALL DAS SCHÖNE vom Staatsschauspiel Hannover schafft Tripple in Bensheim

Am vergangenen Wochenende wurde im Parktheater Bensheim der mit 3.000,- EUR dotierte Günther-Rühle-Preis verliehen. Ebenso wurden im Rahmen des Theaterfestivals WOCHE JUNGER SCHAUSPIELERINNEN UND SCHAUSPIELER ein Publikums- und ein Schülerpreis unter den geladenen Gastspielen ausgelobt.
Dabei überzeugte das letzte Gastspiel des Festivals, ALL DAS SCHÖNE von Duncan Macmillan, auf ganzer Linie und räumte alle Preise ab.
Zu sehen war unter der Regie von Paul Schwesig Mitmachtheater vom Feinsten. Der so überzeugende wie charmante Schauspieler Jonas Steglich bezieht von der ersten Minute an das Publikum mit ein, seiner depressiven Mutter eine Liste von all dem Schönen zu schreiben, die das Leben so lebenswert machen. Vom ersten Punkt „Eiscreme“ landen im Laufe der Jahre über eine Million Dinge auf dieser Liste.
Immer wieder holt Jonas Steglich seine Mitspieler aus dem Publikum auf die Bühne, die sichtlich Spaß daran haben. Improvisationsstark, ohne sich aufzudrängen oder das Publikum zu nötigen, führt er durch einen klugen, temporeichen und fein gearbeiteten Abend, der ein schweres Thema behandelt.
Die Liste hilft nicht, seine Mutter zu retten und trotzdem gehen wir versöhnt nach Hause. Was nicht nur an der Portion Eiscreme liegt, die am Schluss für alle auf der Bühne verteilt wird.
Preisträgerjury 02
v.l.n.r. Helmut Sachwitz, Jonas Steglich, Prof. Hans-Ulrich Becker, Milena Wichert und Christiane Ehret-Jeltzsch
Die Jurybegründung der Jury des Günther Rühle-Preises: Prof. Hans-Ulrich Becker, Milena Wichert, Christiane Ehret-Jeltzsch:

„Zu Beginn möchten wir ganz besonders die Leistung einer jungen Schauspielerin erwähnen. In einem Interview fragte man Sie mal, welcher Star sie gerne mal wäre und sie antwortet mit:
„Jemand richtig reiches. Der immer abgeholt wird. Die Queen zum Beispiel.“

Sie ist nicht die Protagonistin der Inszenierung und doch nimmt sie uns mit und zieht uns von Anfang an in ihren Bann. Es sind ihre feinen Wechsel auf den schauspielerischen Ebenen, ihre unfassbare Wandlungsfähigkeit, ihre Wärme, ihre Aura. Sie betritt die Bühne und ist da. Eine Präsenz die von Anfang an im Raum ist. Mit Stärke und Kraft überzeugt sie. Wir möchte Tonini Ruhnke in der Inszenierung Im Herzen der Gewalt vom Thalia Theater Hamburg besonders lobend für ihre schauspielerische Leistung erwähnen.

Jetzt wäre der Teil gekommen, für den wir eine 4 seitige Rede vorbereitet hätten. Wir hätten Hannah Arendt zitiert, über das Böse gesprochen, über heutige Gesellschaftsstrukturen geredet und die Fragen gestellt: Was heißt es sich einer verrohten Gesellschaft entgegenzustellen? Was heißt heute Zivilcourage? Was heißt Widerstand?

Dann passiert aber Theater und wir sehen einen Abend der alles auf den Kopf stellt und die Rede an keinem Punkt mehr passt. Weil sie ein anderes Thema in das Zentrum stellt, was eine andere Rede gebraucht hätte.

Warum?

Weil es nicht als düstere Analyse einer Kindheit mit einer depressiven Mutter daherkommt.

Warum?

Weil es über Resilienz mit dem Publikum die schönen Lebensmomente sammelt.

Warum?

Weil die 24 die Spaghetti Bolognese ist.

Warum?

Weil der Darsteller mit seinem unaufdringlichem Charme uns in den Bann zieht.

Warum?

Weil er mit einer selbstverständlichen Art das Publikum durch die Höhen und Tiefen seines Themas steuert.

Warum?

Weil er es schafft mit einer Feinfühligkeit uns zum Mitmachen zu bewegen.

Warum?

Weil er uns mit seiner Präsenz mitnimmt und nicht entkommen lässt.

Warum?

Weil uns der nächste Song noch ein Stück näher rücken lässt.

Warum?

Weil Theater Mut machen kann.

Warum?

Weil der Darsteller uns Mut macht.

Warum?

Weil er die Hürden und Mauern schrittweise aufbricht. Weil er den Abend mit uns gestaltet. Weil es ein Soloabend ist, der kein Solo ist. Weil es einen Darsteller gibt, der die ständige Aufmerksamkeit für das komplette Publikum hat.

Wir freuen uns den Günther Rühle Preis 2019 für herausragendes Schauspiel an den Schauspieler Jonas Steglich in der Inszenierung von All das Schöne vom Schauspielhaus Hannover übergeben zu dürfen.“

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Mit 1.803 Besuchern hat die WjS 2019 auch einen herausragenden Zuspruch beim Publikum insgesamt erfahren. Nur 2003 haben mehr Zuschauer das Festival jemals besucht.
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Schüler-Jury des Schulprojekts THEATERKRITIK
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Gewinner des Abends vom Staatsschauspiel Hannover mit Juryvorsitzender Dagmar Borrmann (r.)

 

Fotos: Deutsche Akademie der Darstellenden Künste
Beitragsbild: Isabel Machado Rios

Rezension DRAUSSEN VOR DER TÜR

Während der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler zeigte das Theater Erlangen Wolfgang Borcherts Drama
DRAUSSEN VOR DER TÜR. Hier kommt eine Rezension.

Eindringliches Ein-Personen-Stück
von Annika Giere und Lia Knussmann

„Nicht hinhören – soll das die ganze Antwort sein?“ Dieser und vielen weiteren Fragen widmete sich das Theaterstück „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, das im Rahmen der zum 24. Mal stattfindenden „Woche junger Schauspieler“ im Parktheater Bensheim zur Aufführung kam.

Unter der Regie von Maria Sendlhofer brachte der junge Schauspieler Enrique Fiß die Ein-Mann-Inszenierung mit musikalischer Untermalung durch Niklas Handrich auf die Bühne. Erzählt wurde die Geschichte eines jungen Soldaten, dem nach seiner Heimkehr aus mehrjähriger Kriegsgefangenschaft alle Türen der deutschen Nachkriegsgesellschaft verschlossen bleiben.

Das Stück beginnt mit dem missglückten Versuch des Soldaten Beckmann, sich in der Elbe zu ertränken. Nachdem er als Unteroffizier im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, kehrt er in seine zerstörte Heimatstadt Hamburg zurück. Die Menschen wollen nichts mehr mit dem Krieg zu tun haben. Sie verschließen nicht nur ihre Augen, sondern auch ihre Türen, um das Geschehene und ihre eigene Schuld, an die der Kriegsheimkehrer sie wieder erinnert, weiter zu verdrängen. Von Schuldgefühlen und Albträumen geplagt, wünscht sich Beckmann, von der gefühlten Verantwortung für die toten Soldaten seiner Einheit befreit zu werden.

Beckmann thematisiert durchgängig seine Opferrolle, spricht aber nicht über die Nationalsozialisten und deren Verbrechen. Das Bühnenbild war passend gewählt und erinnerte durch das aufgebaute Gerüstpodest stark an die Zeit nach dem Krieg, an Zerstörung und Wiederaufbau. In der Mitte der Bühne stand eine Wanne mit Wasser, in der Beckmann zunächst nur seinen Kopf nass machte, im Laufe des Stücks aber sogar komplett hineinstieg.

Das Wasser ist ein immer wiederkehrendes Element: Beckmann versucht sich anfangs zu ertränken, er wird oft als Fisch bezeichnet, da er nach seinem ersten Selbstmordversuch nass und kalt aufgefunden wurde und später quasi „im Regen stehen gelassen“ wird. Es symbolisiert sowohl seine eigene Verletzlichkeit als auch seine Ausgrenzung durch die Gesellschaft. Ebenfalls der Zeit entsprechend trägt Beckmann dunkle und schlichte Kleidung, deren wichtigster Bestandteil ein Mantel war.

Dieser diente als Metapher für die Verantwortung, die Beckmann durch seine Position im Militär auferlegt wurde und die er versuchte loszuwerden. Um dies zu verdeutlichen, legte er den Mantel häufig ab, zog ihn als Symbol des Scheiterns aber kurz darauf immer wieder an.

Die Musik spielte in dem Stück eine große Rolle, denn sie erzeugte eine sehr angespannte Atmosphäre und betonte den gesprochenen Text. Enrique Fiß erwähnte im Nachgespräch, dass die Anwesenheit von Niklas Handrich auf der Bühne eine große Unterstützung für ihn sei. Trotz der Tatsache, dass Fiß der einzige Schauspieler war, führte er keinen klassischen Monolog, denn die in der Inszenierung angewandten technischen Mittel füllten alle unbesetzten Rollen.

Beispielsweise wurde eine Kamera verwendet, die Beckmanns Gesicht abwechselnd aus zwei verschiedenen Perspektiven aufnahm, oder es wurden Fragen auf eine Leinwand projiziert, auf die er dann antwortete. So konnten auch ohne weitere Schauspieler einfache Dialoge simuliert werden. Zusätzlich wurden einige wenige Requisiten verwendet, beispielsweise eine Plane, die Beckmann als Symbol für seine toten Eltern in den Armen hält.

In der Nachbesprechung erzählte Enrique Fiß von seiner durch das Drama ausgelösten persönlichen Betroffenheit: Als er es 2015 zum ersten Mal auf einer Zugfahrt las, kamen ihm die Tränen. Die Geschichte hat ihn nicht mehr losgelassen und so wurde die ursprüngliche Garagenproduktion bald im Theater Erlangen umgesetzt. Für Fiß am faszinierendsten war der Charakter Beckmanns, der von ihm allerdings ganz klar auch als Täter dargestellt wird, da Soldaten nie nur eine Opferrolle einnehmen. Die Inszenierung erhielt viel Zuspruch vom Publikum und wurde mit großem Applaus belohnt.

Foto: Jochen Quast

Vorbericht ALL DAS SCHÖNE

Hier kommt ein weiterer Text aus dem Schulprojekt THEATERKRITIK, der uns auf das letzte Gastspiel der #wjs ALL DAS SCHÖNE  vom Schauspiel Hannover am kommenden Freitag, vorbereitet.

All das, was an der Welt schön ist

von Alessa Lehniger

Für was lohnt es sich eigentlich zu leben? Das muss sich der Junge im Stück ,,All das Schöne“, mit 7 Jahren fragen, um seiner Mutter das Leben zu retten. Als letztes der fünf Inszenierungen innerhalb der Woche der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler führt das Schauspiel Hannover dieses Stück am Freitag (29.), 19:30Uhr im Parktheater Bensheim auf. Die 90- minütige Inszenierung kam unter der Regie von Duncan Macmillan zu Stande.

Ein Kind muss mit 7 Jahren durch einen Selbstmordversuch von den Depressionen seiner Mutter erfahren. Nun beginnt die Liste, die Liste mit allen schönen Dingen auf der Welt, welche die Mutter wieder lebensfroh machen sollen. Mit dem Wörtern ,,Eiscreme, Wasserschlachten, länger aufbleiben“ beginnend, wird die Liste immer weiter fortgeführt. Der Frau, für welche sie geschrieben werden, hilft die Liste allerdings nicht, aber dem Jungen, denn diese Liste wird ihn sein Leben lang begleiten. Dabei vergehen viele Jahre, Höhen und Tiefen werden gelebt, aber nur die schönen Dinge werden aufgeschrieben.

Obwohl diese List oft aus scheinbaren Banalitäten besteht, kann sie den Zuschauer dazu anregen, mehr auf die kleinen Dinge acht zu geben, und darauf, was diese eigentlich für uns Menschen bedeuten. Vieles sehen wir selber gar nicht mehr oder betrachten es als selbstverständlich. Trotz der traurigen Thematik, welche das Stück behandelt, möchte das Schauspielhaus Hannover diesem einen lebensbejahenden Charakter verleihen und die Betrachtungsweise vieler Menschen auf die kleinen, positiven Dinge zurückbringen.

Das Stück wird lediglich von einem Schauspieler, Jonas Steglich, auf der Bühne aufgeführt, welcher den Jungen darstellt. Unterstützt wird er dabei durch Livemusik, für die Christian Decker verantwortlich ist. Das Bühnenbild besteht aus vielen Glashäusern. Während des Stückes werden von anderen Personen immer wieder neue Zettel auf die Bühne gebracht und an die Glashäuser angebracht, aber auch der Akteur selbst schreibt im Verlauf neue Dinge auf. Während der Rest der Bühne nicht sonderlich beleuchtet ist, ist es in den Glashäusern, in welchen die Natur auch eine besondere Rolle spielt, sehr hell.

Mit dem Theaterstück ,,All das Schöne“ ist das Schauspielhaus Hannover das erste Mal in Bensheim zu Gast. Rückmeldungen zeigen auch, dass das Stück vielen, vor allem selbst Betroffenen, sehr viel mitgeben kann. Auch ist zu erwähnen ist, dass sich vom Schauspielhaus selbst jedes der Wörter, welche an der Zahl 1 Millionen betragen, selbst ausgedacht wurde.

 

 

Gertrud-Eysoldt-Ring – die Preisverleihung

Am vergangenen Samstag wurde Bensheim an der Bergstraße zum Mekka der Theaterszene. Was wir erleben durften, erfahrt ihr hier.

André Jung wurde mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet. Seit Jahren ist der Schauspieler im Theater und Fernsehen zu sehen. Den Preis erhielt er für seine Rolle in Büchners Lenz.

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Ein rundum gelungener Abend im Parktheater Bensheim liegt hinter uns.
Die Reden der Gastgeber Bürgermeister Rolf Richter und Hans-Jürgen Drescher (Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste) waren geprägt von aktuellen Themen, die zur Zeit im Theater behandelt werden.
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Hans-Jürgen Drescher eröffnet die Preisverleihung mit einer wichtigen Aussage:
Theater kennt keine Grenzen.
Was sich in der Auswahl der ausgezeichneten Künstler zeigt. Erstmals ging der Eysoldtring an einen Luxemburger, und zum ersten Mal wurde ein Brite, der Regisseur und Autor Robert Icke, mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis ausgezeichnet.

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v.l.n.r. Hans-Jürgen Drescher, Robert Icke, Peter Kümmel und OB Rolf Richter

Michael Quast, Schauspieler, Kabarettist und Theaterleiter, führte leichtfüßig und amüsant durch den Abend. Musikalisch boten vier Hackbretter einen außergwöhnlichen Klang, gespielt durch das Quartetto Salterietto aus München.

Gerührte Preisträger

Die beiden Preisträger betreten gerührt und geerht die Bühne und bedanken sich mit charmant knappen Worten. André Jung hofft nicht zu weinen, bald fehlen ihm aber doch die Worte. Auch Robert Icke freut sich besonders in Deutschland geehrt zu werden, da er das deutsche Theatersystem so wertschätzt.

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Robert Icke

Dies wird vor allem am folgenden Tag klar, wo er gemeinsam mit André Jung, Barbara Frey (Intendantin des Zürcher Schauspielhaus und Vorsitzende der Eysoldt-Jury) und Peter Kümmel (ZEIT-Journalist und Juror des Kurt-Hübner-Regiepreises) bei der Akademie-Matinee über die Unterschiede des deutschsprachigen und englischen Theatersystems spricht.

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v.l.n.r. Barbara Frey, André Jung, Robert Icke und Peter Kümmel

André Jung beweist mehrfach, dass er als Schauspiel-Virtuose und DER Stolperer diese Ehrung verdient. Bei jedem seiner Auftritte wird ein so präziser Stolperer Teil seines Gangs, dass man sich jedes Mal aufs Neue Sorgen macht, er könne fallen und sich verletzen. In einer legendären Inszenierung Der Messias von Nikola Weisse von vor dreissig Jahren, stolpert André Jung fast hundertfünzig Mal.

Hier gehts zum Audio-Beitrag der Hessenschau

Zauberer des Wortes

„Seine Gesamtleistung als Protagonist und als überzeugter Ensemblespieler über mehrere Jahrzehnte an großen Häusern und in freien Produktionen ist unvergleichlich. Er ist ein Zauberer des Wortes und der Gesten, ein Meister der Unmittelbarkeit. Er kennt keinerlei Eitelkeit, ist immer Spieler und Jongleur, aber auch Wanderer am Abgrund“, heißt es in der Jurybegründung. Die Jury unter dem Vorsitz von Barbara Frey mit Rita Thiele und Wolfram Koch, hatte am 21. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben.

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Preisträger André Jung

Im Anschluss wurde in großer Runde, dieses Jahr im Luxorfilmpalast Bensheim ausgiebig gefeiert. In diesem Jahr waren die unterschiedlichsten Gäste nach Bensheim gereist. Intendant*innen aus der Theaterszene, zahlreiche Mitglieder der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste sowie Vertreter der Politik.
Hier sehen wir neben André Jung Bürgermeister Rolf Richter und Angela Dorn, Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Links im Bild Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert.

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Fotos: Stadt Bensheim

Der Eysoldt-Ring wird seit 1986 jährlich vergeben. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Klaus Maria Brandauer, Cornelia Froboess, Corinna Harfouch, Nina Hoss, Ulrich Mühe und zuletzt Sophie Rois. Die Ehrung geht auf den Theaterkritiker Wilhelm Ringelband zurück, der bis zu seinem Tod in Bensheim lebte und einen Schauspielerpreis mit dem Namen von Gertrud Eysoldt verfügte. Die Welt

Vorbericht DRAUSSEN VOR DER TÜR

Unter all den Rezensionen haben wir heute mal wieder eine Ankündigung für das nächste Gastspiel DRAUSSEN VOR DER TÜR vom Theater Erlangen am 22.3.2019 um 19:30 im Parktheater Bensheim.

von Alessandra Bitsch und Marie Götz

Wie muss es sich anfühlen, nach drei Jahren Krieg in ein komplett zerstörtes Deutschland zurückzukehren? Genau dieses Szenario zeigt das 80minütige Theaterstück „Draußen vor der Tür“ am Freitag, den 22. März, um 19:30 Uhr im Bensheimer Parktheater. Im Rahmen der Woche der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler führt das Theater Erlangen, unter der Regie von Maria Sendlhofer die Inszenierung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Borchert vor.

Der Soldat Beckmann kommt, nachdem er drei Jahre im zweiten Weltkrieg an der Front gekämpft hat, in seine Heimatstadt Hamburg zurück. Jedoch gestaltet seine Ankunft sich, als nicht so erfreulich, wie er es erhofft hat. Menschen schließen vor ihm ihre Haustüren. Er hat nichts, woran er nach dem Krieg anknüpfen kann. Das Volk möchte den Krieg hinter sich lassen und vergessen, was geschehen war. Die Menschen sehen in Beckmann einen der Verantwortlichen und somit einen Täter und nicht ein Opfer. Genau diesen Aspekt, dass ein Soldat nie nur Opfer ist, möchte das Theater Erlangen verdeutlichen und der heutigen Generation näher bringen. Beckmann selbst leidet unter Schuldgefühlen und dem Ausschluss der Gesellschaft. Er ist psychisch und physisch angeschlagen.

Auf der Bühne stehen lediglich zwei Akteure, die Hauptperson Beckmann, gespielt von Enrique Fiß und Niklas Handrich als musikalische Begleitung. Neben der Musik spielt auch das Element Wasser eine wichtige Rolle. In einigen Szenen ist das Wasser auf eine Leinwand projiziert, in anderen agiert die Hauptperson selbst damit. Der Rest des Bühnenbildes wirkt zertrümmert und erinnert somit an die Nachkriegszeit, in der das Stück spielt. Die Kleidung des Schauspielers ist weit und in gedeckten Farben und fügt sich somit in das Bühnenbild ein.

Das Theater Erlangen ist mit seiner Inszenierung des Stücks „Draußen vor der Tür“ zum ersten Mal zu Gast in Bensheim. In Erlangen selbst erfreut sich das Theaterstück großer Popularität und ist bereits im Voraus ausverkauft. Von Kritikern wird vor allem die Knappheit der Worte, mit denen die Intension des Stückes vermittelt wird, gelobt. Dem Hauptdarsteller selbst wurde das Drama zur Herzensangelegenheit, denn als er das Skript des Stückes während einer Zugfahrt las, war er so berührt, dass er alles daran setzte, es aufführen zu können.

 

Foto: Jochen Quast